Logo des Vereins
Logo:© Hans-Jörg Kunze; Lübben

Verweise

Statutenauszug
Aufgabenstellung
VeröffentlichungenNeu!
Vereinstermine
Impressum

http://www.spreeheide.de

Pretschener Spree und Krummspree`sche Region e.V.


Die "Süßlupine" (Lupinus luteus) in Trebatsch bzw. Sabrodt


Von der gelben Bitterlupine zur Süßlupine

Unsere armen Sanddörfer kämpften viele hundert Jahre um die Verbesserung der Fruchtbarkeit ihrer Äcker, das war seinerzeit die einzige Möglichkeit, das Leben ihrer Bewohner zu bessern. Dabei half ihnen zunächst die Gelbe Bitterlupine, die jedoch nur als Bodenverbesserer geeignet war.
Prof. Erwin Baur vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung in Müncheberg, gab die Anregung, die Variabilität des Merkmals Bitterstoffgehalt zur Selektion von bitterstoffarmen Einzelpflanzen zu nutzen. 1929 gelang es unter Leitung von Dr. v. Sengbusch unter etwa 1,5 Mio. Lupinenpflanzen 5 bitterstoffarme Formen zu finden, aus welchen sie die Gelbe Süßlupine züchteten.
Damit war ein fundamentaler Durchbruch geschaffen. Eine Nutzpflanze war entstanden, welche auf armen Sandböden fortkam, sie verbesserte und gleichzeitig für Futterzwecke hervorragend geignet war. Fortan fand sich keine Feldmark, kein Bauernhof mit Sandböden in Deutschland, auf welchen nicht auch gelbe Süßlupinen angebaut wurden. Wenn die Fruchtbarkeit der Felder heute gegenüber früheren Zeiten deutlich zugenommen hat, dann ist dies auch der Gelben Süßlupine, der anspruchlosesten aller Lupinen, zu danken. Gegenwärtig ist ihr Anbau, auch wegen der Pilzkrankheit Anthraknose, zum Erliegen gekommen

Lupinen in Hocken zum trocknen in Trebatsch

Abbildung 1:
So wurden die erntereifen Lupinen zum trocknen auf den Feldern in Hocken aufgestellt.


Für die leichten Sandböden ist die anthraknose-tolerante Blaue Lupine (Lupinus angustifolius) kein Ersatz. Trebatsch bzw Sabrodt wurde mit der Gelben Süßlupine (Lupinus luteus L.) weltweit bekannt, wurde doch am 18. April 1931 auf der Domäne Trebatsch mit dem Anbau der Gelben Süßlupine begonnen und ihre züchterische Bearbeitung unter Verantwortung des Kaiser-Wilhelm-Institutes Müncheberg durch die Saatzuchtleiter und Geschäftsführer der Süßlupine GmbH Dr. v. Sengbusch bzw. Dr. Troll und Dr. Wuttke (siehe S. 2 der Zeitung) vorgenommen. Hier ein weiterer Link, welcher beschreibt wie mühsam und erfindungsreich die Züchterarbeit war.

Dr. Wuttke 1941 mit seinen Helferinnen

Abbildung 2:
1941: Dr. Wuttke mit seinen Helferinnen auf den Treppenstufen des neuen Zuchtlaborgebäudes in Sabrodt.


Die Süßlupine GmbH brachte 1934 die ersten Süßlupinensorten auf den Markt, welche durch die Saatgut-Erzeugergesellschaft Berlin vertrieben wurden.
In den Kriegsjahren ab 1940 errichtete dieser Betrieb in der Gemarkung Sabrodt eigene Aufbereitungs- und Lagergebäude im Fachwerkstil, den man in jenen Jahren liebte. Auf dem Gelände waren errichtet:
  • -ein Saatzuchtgebäude mit Büro, Verlese- und Dreschraum, Pferdedurchfahrt, Lagerraum für Kleinstpartien
  • -ein Speicher mit Gesindestuben, Lagerboden, Gigantreinigung, Rieseltrockner, Elevator und beheizbarer Darre
  • eine Scheune (600 qm)mit 3 Lagerböden
  • Die Züchtungsarbeiten wurden bis zum Kriegsende fortgesetzt. Vor dem Kriegsende wurde Zuchtmaterial nach Berlin ausgelagert, wurde dort jedoch durch Kriegseinwirkung vernichtet.

    Der Neuanfang nach dem Krieg

    Ab 1946 wurden die Arbeiten in der "Süßlupine" als Betriebsteil des Gutes Trebatsch weitergeführt.

    Kornauslese

    Abbildung 3:
    Frau Mogel-Trebatsch liest Körner von Hand im Labor aus, Frau Reschke ebenfalls Trebatsch notiert die Ergebnisse. Das Foto stammt aus den 50er Jahren.


    Die 50er Jahre brachten eine Aufgabenerweiterung.
    Neben der Neuzüchtung von Lupinen wurden zunehmend Eignungsprüfungen für leichte Bodenstandorte, Sortenversuche zu Getreide, Gräsern und Leguminosen sowie auch zu Hackfrüchten für die Zentralstelle für Sortenwesen durchgeführt.
    Hinzu kamen Arbeiten zur Erhaltung von i-Linien für die Maiszüchtung des Institutes Bernburg -Strenzfeld sowie für die Knaulgrasneuzüchtung. Es wurden eine weitere Darre, Garagen sowie ein komplett unterkellertes Aufbereitungsgebäude mit 2 Gewächshausanbauten, Büros, Labor, Saatgutlager und 2 Wohnungen im Obergeschoß gebaut.
    In den 60er Jahren wurden die beiden fusariumresistenten Sorten Refusa und Refusanova zugelassen.
    Ab 1971 wurde auch der Zuchtgarten Rocher mit 13 ha Fläche genutzt. Er bot die Möglichkeit einer intensiven und exakten Beregnung durch neuentwickelten Beregenungsbrücken.

    Eine internationale Züchterdelegation besucht die Zuchtstation

    Abbildung 3:
    Eine internationale Züchterdelegation von Züchtern aus der VR Polen, der UdSSR, der CSSR und der VR Ungarn besichtigen den Zuchtgarten in Trebatsch. Erster von links: Saatzuchtleiter Jagoda


    1977 wurde die "Süßlupine" aus dem VEG ausgegliedert und dem VEB Saat- und Pflanzgut Frankfurt/O zugeordnet.
    1984 wurden:
  • Das Sozialgebäude mit Werkstatt, Lager, Büros, Küche, Toiletten und Kulturraum
  • Die 1000 m2 große Lagerhalle mit LKW-Durchfahrt, Reinigungsanlagen und 400 m2 Unterflurbelüftung
  • Das Heizhaus mit Kohlenlager und Sozialtrakt sowie einer zentralen Heizungsleitung für das gesamte Objekt
  • übergeben.
    Die Arbeiten erfolgten auf der Grundlage des Planes für Wissenschaft und Technik. Die Brigade der Süßlupine wurde mehrfach mit dem Titel "Kollektiv der sozialistischen Arbeit" ausgezeichnet Zudem existierten Aktive für Neurerwesen, Jugend und Forschung; DSF. Es bestand eine mit Freude gepflegte Patenschaft zur polytechnischen Oberschule Trebatsch.
    Die seit 1953 in einer Wetterstation durchgeführten Messungen und Beobachtungen wurden bis zum Verkauf des Betriebes fortgesetzt. 1989 arbeiteten 42 Personen im Betrieb.

    Die Wende

    Am 1.7.1990 gründete sich die Saatzucht-Trebatsch-GmbH als Tochter der DSAG in Quedlinburg. Bis Ende 1990 wurden die Sortenversuche, die seit den 50er Jahren durchgeführt wurden, eingestellt und Neuzüchtungsarbeiten zu Lupine und Knaulgras minimiert. Die Erhaltungszüchtungsarbeiten zu den Eigenzüchtungen der Bitterlupine "Schwako", zur Süßlupine "Refusa nova" und zum Knaulgras "Trebina" wurden fortgesetzt. Die "Lupine" (im Volksmund für die Saatzucht-Trebatsch-GmbH) bewirtschaftete über 70 ha. 22 Arbeitskräfte mußten entlassen werden.
    Die in der Sortenprüfung befindlichen Zuchtstämme wurden 1996 zu den Sorten:
  • "Trerano" Knaulgras
  • "Treposno" Knaulgras
  • "Trebisa" Bitterlupine
  • geführt. Im August 1999 wurde die Saatzucht-Trebatsch-GmbH durch die Treuhand Güter Bewirtschaftsgesellschaft (TGG) in Berlin verkauft.

    © Joachim Schützel, Plattkow

    Gesellschaft zur Förderung der Lupine e.V.
    Hier kann man die Broschüre "Lupinen - Verwertung und Anbau" herunterladen.